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Leon-Daten mit Grafana steuerbar machen: Von Exporten zur verlässlichen Management-Sicht

  • Autorenbild: Oliver Groht
    Oliver Groht
  • 2. Juni
  • 5 Min. Lesezeit
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Viele Charter- und Business-Aviation-Betriebe arbeiten täglich mit Leon und verfügen damit über eine Fülle operativer Flugbetriebsdaten. Trotzdem bleibt die Steuerung im Management oft überraschend unscharf: Profitabilität je Flugzeug, Leerflug-Anteil, Auslastung oder Liquidität werden dann eher „aus Erfahrung“ als aus einer belastbaren Gesamtsicht entschieden.

Der Kernpunkt: „Daten vorhanden“ bedeutet nicht automatisch „steuerbar“. Steuerbarkeit entsteht erst, wenn operative und kaufmännische Perspektiven in klar definierten Kennzahlen zusammenlaufen – reproduzierbar, nachvollziehbar und regelmäßig aktualisiert.

In diesem Artikel zeigen wir, welche Fragen Standard-Exporte typischerweise offenlassen, warum Excel-Reporting in der Praxis an Grenzen stößt und wie ein praxistaugliches Setup aus Leon, zentraler Datenbasis und Grafana eine gemeinsame Steuerungssicht ermöglicht.

Warum Reporting mit Exporten oft nicht zur Steuerung führt

Leon bildet die operative Realität sehr gut ab: Legs, Trip-Typen, Block- und Flugzeiten, Treibstoff, Distanzen und vieles mehr. Was häufig fehlt, ist der Schritt von operativen Detaildaten zu Management-Entscheidungen.

In vielen Unternehmen sehen wir ein wiederkehrendes Muster:

  • Exporte werden manuell gezogen

  • Excel-Logiken wachsen „über die Zeit“

  • Definitionen sind nicht dokumentiert

  • Zahlen sind schwer reproduzierbar

Die Folge für Entscheider: Diskussionen drehen sich nicht um Maßnahmen („Was tun wir?“), sondern um Datengrundlagen („Welche Zahl stimmt?“). Genau hier setzt der Ansatz an, Leon-Daten mit Grafana steuerbar zu machen: eine gemeinsame, belastbare Sicht auf Operations und Finance.

Welche Steuerungsfragen Standard-Exporte oft nicht sauber beantworten

Standard-Exporte sind hilfreich – aber selten so strukturiert, dass daraus ohne Zusatzlogik belastbare Steuerungskennzahlen entstehen. Typische Fragen aus der Geschäftsführung:

  • Profitabilität & Unit Economics

  • Umsatz pro Flugstunde (gesamt und je Flugzeug)

  • Vergleichbarkeit über Zeiträume und Flugzeuge hinweg

  • Auslastung & Effizienz

  • Verhältnis Flugzeit zu Blockzeit als Indikator für operativen Overhead

  • Einordnung von Turnaround, Handling, Positionierung

  • Leerflug-/Ferry-Anteil

  • Wie hoch ist er wirklich?

  • Welche wirtschaftliche Wirkung hat er (z. B. entgangener Deckungsbeitrag als Steuerungsgröße)?

  • Forecast & Auftragsbestand

  • Future Bookings nach Legs, Blockzeit, erwartetem Umsatz

  • Liquidität

  • Offene und überfällige Rechnungen als priorisierbare Management-Sicht (nicht als Liste)

  • Kunden- und Netzwerkperspektive

  • Top-Kunden, Strecken-/Länderprofile als Grundlage für kommerzielle Entscheidungen

Der Mehrwert entsteht, wenn diese Fragen konsistent, transparent und wiederholbar beantwortet werden – nicht „irgendwie“.

Die Kernhürde: Operations und Finance sprechen unterschiedliche Logiken

Operative Daten (Leon) und kaufmännische Daten (Buchhaltung/Controlling) sind beide richtig – aber sie folgen unterschiedlichen Zeitbezügen und Granularitäten. Ein klassisches Beispiel:

  • Umsatz nach Verkaufsdatum (Sell-Date) vs.

  • Umsatz nach Realisierungsdatum (Realization-Date)

Beide Sichten sind legitim – aber ohne klare Definitionen entstehen vermeidbare Reibungsverluste. „Export + Pivot“ scheitert hier oft, weil:

  • Definitionen implizit und inkonsistent werden

  • Versionierung fehlt („Welche Datei ist die richtige?“)

  • Änderungen nicht nachvollziehbar sind („Warum ist die Zahl heute anders?“)

Was Führungskräfte brauchen, ist eine Quelle der Wahrheit: zentrale Datenbasis, dokumentierte KPI-Definitionen und sichtbare Aktualität.

Praxis-Setup: Leon → zentrale Datenbasis → Grafana

Das Prinzip ist bewusst einfach: Erst Daten verlässlich machen, dann visualisieren. Ein Dashboard ist nur so gut wie die Logik darunter.

Ein praxistauglicher Aufbau besteht aus vier Bausteinen:

1) Extraktion - Leon-Daten werden über leon2db extrahiert (Eigenentwicklung der Arkcanis Consulting GmbH).

2) Zentralisierung - Laden in eine zentrale PostgreSQL-Datenbank. - Jeder Import erhält einen Zeitstempel, damit Aktualität transparent ist.

3) Integration kaufmännischer Daten - Ergänzung um Buchhaltungs-/Controlling-Daten (z. B. GuV-Kennzahlen wie Umsatzerlöse, Materialaufwand, EBITDA), je nach Struktur z. B. pro Kostenstelle oder Flugzeug.

4) Visualisierung & Steuerung - Grafana als Management-Dashboard mit Filtern (Zeitraum, Flugzeug, Route etc.) und Vorjahresvergleich.

Ergebnis: Operations und Finance arbeiten auf einer gemeinsamen Faktenbasis – ohne ständiges Springen zwischen Dateien, Tools und Definitionen.

KPI-Module, die Entscheidungen unterstützen (statt nur „schön auszusehen“)

Ein gutes Dashboard ist kein Sammelbecken, sondern ein Set von Modulen, die konkrete Entscheidungen erleichtern. Bewährt haben sich:

1) Umsatzsicht mit klarer Zeitlogik

  • Umsatz nach Sell-Date (Vertriebsleistung, Abschlussdynamik)

  • Umsatz nach Realization-Date (operative Leistung, periodenbezogene Steuerung)

Wichtig: Definitionen im Dashboard sichtbar machen (kurz, eindeutig).

2) Unit Economics & Utilization je Flugzeug

  • Umsatz pro Flugstunde (gesamt und je Flugzeug)

  • Vergleich über Zeit, Flotte, Einsatzprofile

Nutzen für Entscheider: Diskussionen über Pricing, Flotteneinsatz und Angebotsmix werden faktenbasiert.

3) Operations-Mix nach Trip-Typ

Beispielhafte Einordnung von Legs:

  • PAX

  • Cargo

  • Technical

  • Training

  • Ambulance

  • Owner

Nutzen: Auslastung wird richtig interpretiert – nicht jede Flugzeit ist kommerziell gleich zu bewerten.

4) Leerflug-/Ferry-Fokus mit wirtschaftlicher Wirkung

  • Leerflug-Anteil transparent machen

  • Ergänzend eine Steuerungsgröße wie „potential lost profit“ (als Näherung/Schätzung, methodisch sauber definiert)

Nutzen: Aus „zu viel leer“ wird eine konkrete Optimierungsfrage (wo, warum, welche Muster, welche Maßnahmen).

5) Effizienz- und Kostentreiber-Perspektive

  • Verhältnis Flugzeit zu Blockzeit

  • Treibstoffverbrauch (gesamt, pro Flugstunde)

  • Distanzen

Nutzen: Vergleichbarkeit und Trendsteuerung, ohne operative Details zu überfrachten.

6) Demand & Cash für Planungssicherheit

  • Future Bookings / Auftragsbestand

  • Offene und überfällige Rechnungen als Liquiditätscockpit

  • Top-Kunden und Netzwerkprofile (Airports/Länder)

Nutzen: Planung, Liquidität und kommerzielle Entscheidungen greifen ineinander.

Geschäftlicher Mehrwert: Was sich für Entscheider konkret verbessert

Der Nutzen entsteht nicht durch „mehr Daten“, sondern durch weniger Reibung und bessere Entscheidungen:

  • Geschäftsführung

  • Profitabilität je Flugzeug/Kunde wird sichtbar

  • bessere Entscheidungen zu Pricing, Flotte, Angebotsmix

  • Operations

  • Leerflüge werden quantifizierbar

  • Planung und Positionierung werden zielgerichteter

  • Finance

  • Liquiditätssteuerung wird priorisierbar (statt Listenpflege)

  • weniger Abstimmungsaufwand durch klare Definitionen

  • Unternehmensweit

  • eine gemeinsame KPI-Sprache reduziert Diskussionen über Zahlen

  • regelmäßige Reviews werden zur Routine (statt „Excel-Sonderaktionen“)

Typische Stolpersteine – und pragmatische Gegenmaßnahmen

Damit aus einem Dashboard eine Steuerungsroutine wird, sollten diese Punkte früh adressiert werden:

1) Uneindeutige KPI-Definitionen - Gegenmaßnahme: schlanker Reporting-Guide (z. B. in Confluence), Definitionen direkt im Dashboard sichtbar.

2) Uneinheitliche Datenqualität - Gegenmaßnahme: Mapping/Normalisierung in der Datenaufbereitung, klare Regeln für Ausnahmen.

3) „Echtzeit“ wird überschätzt - Gegenmaßnahme: sinnvoller Importzyklus + sichtbarer Import-Zeitstempel.

4) Fehlende Nachvollziehbarkeit (Audit/Änderungen) - Gegenmaßnahme: Versionierung von Dashboard und Logik, dokumentierte Änderungen.

5) Akzeptanz bleibt aus - Gegenmaßnahme: mit wenigen, entscheidungsrelevanten Modulen starten, iterativ gemeinsam ausbauen.

Vorgehen in 3 Etappen: Vom ersten Dashboard zur Steuerungsroutine

  • Etappe 1: Zielbild & Top-Fragen

  • Welche 5 Entscheidungen sollen schneller/besser werden? (z. B. Profitabilität, Leerflug, Cash, Forecast)

  • KPI-Definitionen festlegen

  • Etappe 2: Datenfundament

  • Leon-Extraktion, zentrale Datenbasis, Plausibilitätschecks

  • Etappe 3: Dashboard & Betrieb

  • Grafana-Ansichten, Filter, Vorjahresvergleich

  • Governance + feste Review-Routine (wöchentlich/monatlich)

Fazit: Steuerung entsteht durch klare Definitionen und eine gemeinsame Sicht

Leon-Daten sind in vielen Betrieben vorhanden – der entscheidende Schritt ist, sie aus isolierten Exporten in eine reproduzierbare Steuerungssicht zu überführen. Mit zentraler Datenbasis und Grafana lassen sich Operations- und Finance-Perspektiven verbinden, sodass Profitabilität, Leerflug-Anteil, Cash und Forecast verlässlich steuerbar werden.

Nächster Schritt (praxisnah)

Definieren Sie intern Ihre Top-5 Steuerungsfragen und prüfen Sie anschließend:

  • Welche Daten sind heute vorhanden, aber nicht konsistent definiert?

  • Welche Kennzahlen sind nicht reproduzierbar (Excel-Logik, manuelle Schritte)?

  • Wo fehlen Zeitlogik und Verantwortlichkeiten?

Wenn Sie möchten, unterstützen wir bei Arkcanis beim Aufbau einer belastbaren KPI- und Datenbasis – vom ersten Management-Dashboard bis zur etablierten Review-Routine.

Mehr zu unserem Leistungsbereich Datapipelines & ETL: https://www.arkcanis.com/arkcanis-consulting-gmbh/consulting/datapipelines-etl

Über die Arkcanis Consulting

Die Arkcanis Consulting GmbH ist die spezialisierte Beratungseinheit der Arkcanis Gruppe. Wir entwickeln skalierbare Prozess- und Datenarchitekturen für Airlines, AOCs, Operator und technologiegetriebene Unternehmen – mit einem klaren Fokus auf Aviation Engineering, Leon-Integrationen, Atlassian-Architekturen, ETL-Pipelines und Echtzeit-Dashboards.

Als Gründer der catworkx GmbH, einem der größten Atlassian-Partner im DACH-Raum, verfügt Oliver Groht über mehr als 25 Jahre Erfahrung in Jira- & Confluence-Architekturen, Prozessberatung und organisationsweiter Skalierung. Er verbindet diese Expertise heute mit tiefem technischem Know-how in Leon GraphQL, Data Engineering, Grafana und Flight Ops-Workflows.

Das Ergebnis: messbare, transparente und belastbare Strukturen, die operative Exzellenz ermöglichen und strategische Entscheidungen auf Management- und C-Level stärken.


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